2x JA für unser nachhaltiges Ernährungssystem

Unsere Bundesverfassung, Artikel 104, lautet: «Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet zur: a) sicheren Versorgung der Bevölkerung; b) Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der Kulturlandschaft; c) dezentralen Besiedlung des Landes.»

Sichere Versorgung der Bevölkerung

Der Schweizerische Bauernverband bevorzugt die industrielle Landwirtschaft, welche viel Futtermittel importiert und Milchüberschüsse mit Subventionen exportiert. Das Tierwohl ist nicht wichtig! Massentierhaltung, enthornte Kühe mit riesigen Eutern werden zusätzlich mit Medikamenten «gefüttert» und produzieren chemisch belastete Milch.

«Jedes Jahr geben in der Schweiz Hunderte von Bauern ihre Höfe auf. Hinter den nackten Zahlen verstecken sich menschliche und familiäre Dramen. Und in einigen Fällen auch Tragödien, Suizide.» 

Nachhaltige Landwirtschaft: Konsumenten und Landwirte arbeiten zusammen, zum Beispiel in Genossenschaften «Regionale Vertragslandwirtschaft». Sie säen und ernten miteinander Bio-Produkte und verursachen keine Schäden. 

Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen

Glück hat, wer Quellwasser – vor allem in den Berg- und Hügelregionen – geniessen kann. Mehr als eine Million Einwohnerinnen und Einwohner trinken mit Pestiziden belastetes See- oder Grundwasser. Pestizide belasten auch die Luft und das Erdreich. Die Äcker werden mit schweren Traktoren mit viel Gewicht verdichtet, planiert, was viele Lebewesen im Boden tötet. Die Industrie-Bauern müssten diese Schäden an unseren natürlichen Lebensgrundlagen bezahlen, weil sie die Gesundheit unserer Bevölkerung gefährden. Summa summarum: Aktuell gilt das Gemeinlast-Prinzp; die Industrie-Bauern vergiften je länger je mehr unsere Lebensgrundlagen; die Gesundheit der Bevölkerung leidet. In Zukunft gilt das Verursacher-Prinzip; wer Schäden verursacht, bezahlt. Bio-Produkte werden so günstiger als industriell gefertigte Produkte. 

Dezentrale Besiedlung des Landes

Unsere vielfältige Schweiz hat auch vielfältiges Erdreich, das wir besser nutzen können. Die altbekannte Heilpflanze Bärlauch (Wald-Knoblauch) oder der Marroni spriessen nicht überall, können zwischen den Regionen ausgetauscht werden. Unsere (Bio-) Landwirte wissen, wie sie ihr Land nachhaltig zu bewirten haben. Bund, Kantone und Gemeinden fördern künftig diese dezentrale, nachhaltige Besiedlung. 

Wer hat über Hunderte von Jahren unsere schöne Landschaft geprägt und gepflegt? Die Landwirte; ihnen sind wir sehr dankbar. Erst mit der dritten «Agrarrevolution» ab 1950 haben viele  Bauern ihre Höfe auf Kosten von Kleinbauern erweitert, motorisiert, chemisiert; mit dem Verbrauch von fossilen Energien; mit negativen Folgen für unser Klima!

Es braucht eine vierte «Agrarrevolution», welche fossile Energien ersetzt und unsere Lebensgrundlagen Erdreich, Wasser, Luft – Voraussetzung für unsere Gesundheit – besser schützt. Die Bio-Landwirte (in Graubünden 62 % der Bauern) zeigen uns schon heute, wie diese vierte «Agrarrevolution» funktionieren wird. Sie brauchen unsere Unterstützung. 

Die Behauptung des Nein-Komitees – Lebensmittel massiv verteuern? – ist, milde ausgedrückt, aus der Luft gegriffen. Die Agrarindustrie bereichert sich auf unsere Kosten. Deshalb bitte JA zu den Volksinitiativen Trinkwasser und Pestizidfrei für unser nachhaltiges Ernährungssystem. Übrigens; wenn wir weniger fossile Energien verbrauchen, sinken deren Preise.

Willi Herrmann, Seewis Dorf

Quelle: 12.03.2017, Luca Beti, swissinfo, Die Verzweiflung vieler Bauern wird unterschätzt


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