Ich war immer eine sehr bewusste Konsumentin, habe genau hingeschaut, woher meine Lebensmittel kommen, unter welchen Bedingungen für Mensch und Tier diese angebaut wurden. Darum habe ich jeweils mit viel Freude bei den einheimischen Bäuerinnen in ihren liebevoll eingerichteten Hoflädeli eingekauft. Denn hier sehe ich, wie die Leute ihr Land bewirtschaften und mit den Tieren umgehen. Ich war auch immer bereit, mehr zu bezahlen für die feinen Sachen wie Alpkäse, Schafmilchjoghurt, Hauswürste oder Trockenfleisch. Das war es mir einfach wert.
Nun ist mir aber die Lust vergangen. Auch an einigen Biohöfen hier im Prättigau prangen neben der grünen Bio-Knospe Plakate mit 2 x NEIN zu den extremen Agrarinitiativen. Das beisst sich. Denn auf dem Papier ist Bio-Suisse nur gegen die Trinkwasserinitiative, aber für die Pestizidinitiative. Was für mich zwar nicht ganz nachvollziehbar ist, aber ich nehme es zur Kenntnis.
Ich verstehe auch, dass die Bio-Bauern Existenzängste haben, zum Beispiel wegen der Anforderung, dass nur «hofeigene Produkte» den Tieren verfüttert werden dürfen. Das ist in der Tat eine extreme Forderung, der wahrscheinlich die meisten Bauern hier im Prättigau nicht gerecht werden könnten.
Was ich aber sehr entlarvend finde ist, wie manche Bio-Bauern lauthals auf Social Media wettern, gegen diejenigen Gutmenschen und Tierschützer, die ihnen vorschreiben wollen, wie sie ihren landwirtschaftlichen Betrieb zu führen haben. «Die haben keine Ahnung vom Bauern und wollen uns dreinreden», so der Tenor. Es kommt der Verdacht auf, dass sie nicht aus Überzeugung biologische Landwirtschaft betreiben, sondern wegen den höheren Direktzahlungen. Denn gesunde Böden oder sauberes Trinkwasser scheinen diese Landwirte nicht wirklich zu interessieren. Und es scheint ihnen auch egal zu sein, dass das dies für ein paar ihrer treusten Kundinnen zentrale Anliegen sind.
Darum ist mir die Lust vergangen, weiterhin auf diesen Bio-Betrieben einzukaufen. Hier hört meine Loyalität auf.
Ich werde mit Überzeugung zweimal JA stimmen. Weil mir wichtig ist, dass auch nachfolgende Generationen einigermassen gesunde Böden, trinkbares Wasser und eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt vorfinden. Weil ich auf den politischen Prozess vertraue: Werden die Initiativen vom Volk und den Ständen angenommen, wird sie das Parlament schon verwässern, damit sie nicht mehr so extrem sind. Denn das sind sie, das gebe ich zu. Aber ich will auch ein deutliches Zeichen setzen, dass Schluss sein muss mit der unsäglichen Agrarlobbypolitik.
Monika Baumgartner, Fideris
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